Landesgartenschau Würzburg 201812. April - 7. Oktober

Veranstaltungen

Kunstaktion
09.09.2018

POINT OF NO RETURN


Kunstaktion des Berliner Künstlers Winfried Muthesius

Sonntag, 9. September 2018, 10:00 bis 16:00 Uhr - Wiesenpark, Höhe Hauptgastronomie

 

Ein zwei mal zwei Meter großes GOLDEN FIELD, das Muthesius eigens für diese Aktion geschaffen hat, wird auf die ehemalige Landebahn am Hubland transportiert. Diese befindet sich auf der langgestreckten Rasenfläche der Landesgartenschau, dem sog. Wiesenpark. Das Kunstwerk wird dort, in etwa auf Höhe der Hauptgastronomie, aufgestellt. Dieser Ort markiert den sogenannten POINT OF NO RETURN. In der Sprache der Luftfahrt versteht man darunter den Punkt auf einer Startbahn, an dem das Flugzeug nicht mehr, ohne Schaden zu nehmen, abgebremst werden kann.

 

Muthesius wird in einer aufsehenerregenden, zugleich lauten und stillen Aktion das skulpturale Kunstwerk in GOLD vor den Augen der Gäste mit einer Motorsäge Schritt für Schritt zerteilen, bis nichts mehr bleibt als Späne, Kleinstteile, Bruchstückhaftes. Er geht dem Leben, dem nahezu Vollkommenen, dem Idealtypischen und Wünschenswerten, das im unberührten GOLDEN FIELD zum Ausdruck kam, an den Kragen. Mit Gewalt und brutalem Werkzeug zerstört er das, was wertvoll und wichtig war.

Am POINT OF NO RETURN macht er damit auf die POINTS OF NO RETURN von heute aufmerksam: Ein unumkehrbarer Prozess hat Fahrt aufgenommen: Zunehmende Hitzeperioden, Trockenheit, Luft- und Umweltverschmutzung, die sowohl Pflanzen als auch Lebewesen schaden. Diese lebensbedrohlichen Entwicklungen für Mensch und Natur werden aktuell von beunruhigenden, gesellschaftlichen Zerstörungsprozessen begleitet, wie sie die Angriffe auf Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie darstellen, die wir heute in Deutschland und um uns herum wieder erleben. Auch so etwas hat das ehemalige Flugfeld schon einmal gesehen.

Das kreischende Geheul der Motorsäge beim Zerstören des goldenen Kunstwerks kann als Weckruf verstanden werden. Ein Zurück zum Ausgangspunkt ist unmöglich. Denn der POINT OF NO RETURN ist bereits erreicht. Doch jeder kann dazu beitragen, damit die Landung des Flugzeugs und damit all das, was Natur und Mensch trägt, nicht noch mehr Schaden nimmt. 


Zum Künstler

Seit gut 20 Jahren arbeitet der internationale Künstler Winfried Muthesius mit dem Material Gold, um daraus Bilder zu entwickeln. Zahlreiche unterschiedliche Formulierungen sind entstanden. Arbeiten wurden in sakralen und weltlichen Räumen gezeigt und auch dauerhaft installiert. 2003 wurden rund 100 GOLDEN FIELDS in 14 Berliner U-Bahnhöfen installiert. Später begann Muthesius seine GOLDEN FIELDS, nach dem sie hergestellt waren, in metaphorischen und handwerklich überlegten Prozessen wieder zu verwunden. Daraus entwickelte er eine eigene Bildsprache, die so genannten BROKEN GOLD Werke. Mit der Intervention „loss“ auf dem Syntagma Platz in Athen und der jetzigen Intervention“point of no return“ aufder ehemaligen Startbahn für Flugzeuge auf dem Landesgartenschaugelände setzt er diese Verwundungsprozesse konsequent fort und macht damit auf Zerstörungsprozesse in Natur undGesellschaft aufmerksam.

Zur Entstehung des GOLDEN FIELD

Der schwere Bildträger aus Holz hat eine Größe, die der Berliner Künstler gerade noch ohne Leiter bearbeiten kann. Bevor er das Schlagmetall aufträgt, sind umfangreiche Vorarbeiten erforderlich: eine sorgfältige Reinigung und solide Grundierung sowie die Aufbringung des Anlegeöls. Ungenauigkeiten lassen sich im Nachhinein nicht mehr ausgleichen. Ruhe und eine sichere Hand sind erforderlich. Das Schlagmetall, hauchdünne Quadrate von ca. 16 x 16 cm werden präzise und zügig aufgetragen. Pausen sind nicht möglich. Das Anlegeöl besitzt nur eine begrenzte Haftdauer, d.h. die Fläche muss in einem Zug bearbeitet werden, um ein gleichmäßiges, monochromes Bild zu erhalten. Die Auswahl des Holzuntergrundes spielt eine wichtige Rolle. Die Holzstruktur schimmert durch das Schlagmetall und verleiht dem Bild eine typische Struktur. Das skulpturale Werk vermittelt durch Farbe, Glanz und changierende Lichteffekte einen Eindruck von Vollkommenheit und Lebendigkeit.

Zur Geschichte von Flugplatz und Startbahn am Galgenberg/Hubland

Während des Ersten Weltkriegs, aber auch schon zuvor, diente das Gelände als Landeplatz für Militärflieger auf Überlandflügen. Der Fränkische Verein für Luftfahrt richtete danach eine Station für Segelflüge und, als auch leichte Motoren wieder gestattet wurden, neue Hangars für den motorisierten Flugsport ein. In den 20er Jahren wurde die Schule sukzessive in das geheime Luftrüstungsprogramm der Reichswehr eingebunden. Die Nationalsozialisten bauten das Gelände im „Dritten Reich“ zu einem großen Fliegerhorst um. Nach der Befreiung durch die Alliierten wurde das Flugplatzgelände von der amerikanischen Armee genutzt. Die Leighton Baracks entstanden und mit ihnen der amerikanische Flug- und Landeplatz. Heute erinnert die lange Rasenfläche, der sog. Wiesenpark am Hubland, an die ehemalige Start- und Landebahn.